Mittwoch, 21. Februar 2018

Ignatius von Antiochien



Alles, was man über Ignatius von Antiochien weiß, hat man den Briefen des Ignatius und einem Schreiben des Polykarp von Smyrna entnommen. Als biographisches Datum scheint sicher, dass er unter Trajan den Märtyrertod starb (ca. im 10. Regierungsjahr). Seine 7 Briefe sind innerhalb kurzer Zeit vor der Vollstreckung seines Todesurteiles abgefasst worden. Da die Datierungen auseinandergehen, lässt sich als Abfassungszeit der ungefähre Zeitraum 107-110 angeben.

Die Theologie des Ignatius ist durch folgende Elemente bestimmt:

- In den Briefen steht zunächst die Einheit der Kirche im Vordergrund: Ignatius steht im Kampf mit gnostischen Häretikern (mit einer doketischen Christologie) und fordert die Unterordnung unter den monarchischen Bischof. Denn er sieht die Einheit der Kirche durch die Häretiker gefährdet, und meint sie durch eine straffe Organisation aufrecht erhalten zu können.  Seine Auffassung von der Hierarchie sieht im monarchischen Episkopat den Ausdruck einer wesensnotwendigen Einheit der Kirche. Doch wird sein hierarchisches Modell nicht durch Ämtersukzession begründet (-> 1.Clem.), sondern durch das Schema: himmlisches Urbild <-> irdisches Abbild. Wie Gott umgeben ist von der himmlischen Ratsversammlung der Apostel, so leitet der Bischof im Kreis der Presbyter die Gemeinde. Ohne den Bischof kann deshalb weder eine kirchliche Handlung vollzogen noch die Eucharistie gefeiert werden. Bei ihm findet sich die älteste Erwähnung die Verwendung einer Regula fidei in antihäretischer Polemik.
- Sein Brief an die Römer hat ein anderes Hauptmotiv, sein bevorstehendes Martyrium. Er bittet die röm. Gemeinde, auf keinen Fall die Aufhebung des Urteils betreiben zu wollen; er will seinen Zeugentod. In diesem Brief kommt deutlich eine enthusiastische Frömmigkeit zu Wort, die den Nachvollzug der Passion als erstrebenswertestes Ziel sieht. Das Martyrium sieht er zugleich als Lösegeld für die anderen Christen.  Darin begründet Ignatius auch seine Autorität, die er über andere Gemeinden beansprucht.
- In der Auseinandersetzung mit den gnostischen Häretikern entwickelt Ignatius eine enge Verbindung von Christologie und Soteriologie: Wie Gott am und durch den Erlöser handelt, so handelt er auch an und durch uns. Wie Christus den Geist besaß, so besitzt ihn auch die Gemeinde. Wie Christus durch den Geist mit Gott verbunden war, so befähigt der Geist auch uns zur imitatio Christi (=> Askese, Märtyrerchristologie). Deshalb ist Christus. [Die Kirche wird dann in ihrer Struktur Abbild des himmlischen Urbildes]. Ignatius vertritt also eine Geistchristologie.
 Ignatius kennt keine präexistente Erlösergestalt, das als die Lebenssphäre der göttlichen Welt gedacht wird]. Der geschichtliche Mensch Jesus, der auch als Offenbarung aus dem Schweigen Gottes und Sohn Gottes durch seine irdische Geburt wird, bezeichnet werden kann, ist leidensfähig. Als der Erhöhte und Auferstandene ist er. Der Märtyrer wird nach seinem Tode ein Glied am himmlischen Leib Christi.
 Ignatius identifiziert den auf Erden wandelnden Jesus mit dem Erhöhten Herrn, der von Gott als besondere Person unterschieden wird. Er kennt dabei eine Wesenseinheit von Gott und Sohn bei Selbstständigkeit ihrer Daseinsweisen, Vermittlung durch den Geist (=> Binitarischer Monotheismus). Die Beschreibung der Person Jesu hat stark antidoketische Tendenz. Das Göttliche im Menschen Jesus wird in paradoxen Formulierungen zur Sprache gebracht.
 Erlösung geschieht ganz analog zur Sendung des Erlösers. Wie Christus mit dem heiligen Geist, der Lebenssphäre Gottes, ausgerüstet, so können auch die Glaubenden den Weg Christi nachgehen (Streben nach dem Martyrium) und die Himmelsreise antreten.  Christus ist demzufolge der Anfänger der neuen Menschheit. Zugleich ist er aber auch der Urheber dieser Möglichkeit (wodurch?). Erlösung wird zwar nicht, wird aber faktisch so gedacht.



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