Mittwoch, 21. Februar 2018

Die Entwicklung des Judenchristentums



Es gibt verschiedene judenchristliche Gruppen, deren Festhalten an jüdischer Tradition und deren politische und wirtschaftliche Trennung vom griechischen Westen eine Sonderentwicklung ermöglichte, die zuletzt zur Abspaltung führte. Zu unterscheiden sind zwei Grundtypen:

1. Zum sog. vulgären Judenchristentum werden folgende Gruppen gerechnet:
- Eobionten: Verstehen sich als Fortsetzung des Urchristentums (Selbstbezeichnung: Die Armen). Ablehnung des Paulus und seines Gesetzesverständnisses (=> Legalismus), Umarbeitung des Pentateuchs, Öffnung gegenüber gnostischen Taufbewegungen. Jesus, der natürlicher Sohn von Joseph und Maria ist, wird adoptiert bei der Jordantaufe, bei der sich der Hl. Geist auf ihn niedergelassen habe (weil er das Gesetz erfüllt hat?).
- Nazoräer: Lukanische Tradition sehr wichtig. Jesus bereits bei der Jungfrauengeburt zum Messias erwählt.
Gemeinsam ist diesen Gruppen das Festhalten am (eigenständig interpretierten) Gesetz, der Dämonenglaube als kosmologischer Rahmen für die Erlösungsvorstellungen. Die Christologie verwendet entweder Engelchristologie oder/und Prophetenchristologie mit zwei Zuspitzungen:
- Christus ist die geistige Macht, die vom Vater ausgeht, und schon in den atl. Gotteserscheinungen erfahrbar war. Die in Jesus sichtbare Gotteskraft ist nicht getrennt vom Vater (Bild von Sonne und Licht). Offenbarung ist demnach eine Emanation göttlicher Kraft und Erlösung ist folglich hineinnahmen in den göttlichen Kraftstrom. Weil die Welt als Stätte der Dämonen gedeutet war, bedeutete Erlösung zugleich Entweltlichung.
- Jesus ist der große Bote Gottes, der den Menschen die entscheidende Gottesverkündigung bringe (Aufhebung des Tieropfers und des Tempelkultes).
Diese Gruppen benutzten das Hebräerevangelium (= Nazoräerevangelium).

2. Die gnostisierenden Judenchristen. Zu diesem Grundtyp werden gerechnet:
- Elkesaiten (um 220): Gnostischer Einfluss und stark synkretistisch. Ablehnung aller weltlichen Dinge, strenger Vegetarismus, reinigende Waschungen und sogar zweite Taufe. Christus als oberster Engel, der sich im Sektenstifter Elchasai wiederverkörperte. Die Elkesaiten entwickelten sich evtl. innerhalb der Ebioniten.
- Pseudoclementinische Homilien (evtl. elkesaitisch): Christus als Wesenheit des göttlichen Bereiches erschien bereits in Adam und Mose. Gott wird pantheistisch als das Herz des Kosmos und Welt als Entfaltung seines Wesens gedacht.

Auf die heidenchristlichen Gemeinden haben alle diese Gruppen nicht entscheidend eingewirkt, wohl aber auf den Islam. Ihre letzten Vertreter gingen wohl mit der islamischen Invasion in Palästina (635) unter.




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