Freitag, 31. Januar 2014

Die Gleichnisse Jesu

Die Gleichnis-Gattungen und ihre Untergruppen In gleichnishafter Rede werden ein Sachverhalt und ein Bild miteinander so in Beziehung gebracht, dass das Bild den Sachverhalt (auf eine neue Weise) erschließt. Die verschiedensten Formen gleichnishafter Rede können hebr. mit ± maschal (ursprl. Spruch). Das Verhältnis zw. Bild und Sache kann auf verschiedene Weise gestaltet sein. Entsprechend werden versch. Gattungen unterschieden: - Wo die Sache ein komplexer Sachverhalt ist, also eigentlich von mehreren Sachverhalten gesprochen wird, die miteinander verbunden werden, ist eine Allegorie gegeben. Hierbei wird jeder einzelne Sachverhalt des Gesamtkomplexes durch eine Metapher ersetzt: Bild/Allegorie <-------------------------> (E1=erster Einzelzug/ E1 E2 E3 E4 E5 E6 erste Metapher; | | | | | | S1=erster Sachverhalt) S1 - S2 - S3 - S4 - S5 - S6 Das aufgezeigte Bild ergibt in sich kein verstehbares Geschehen, erst wo die Entschlüsselung der einzelnen Metaphern vorgenommen ist, ist auch das Gesamtgeschehen verstehbar. Die Einheit der Allegorie liegt demnach in der Sache, nicht im Bild, und die Allegorie muss folglich entschlüsselt werden. Zur Entschlüsselung braucht es den richtigen Schlüssel. Die Allegorie ist daher exklusiv, nicht kommunikativ, weil sie jene, die den Schlüssel nicht kennen, ausschließt. Bsp. für Allegorien: Ez.17,1-10 (Fabel von der Zeder und den beiden Adlern), die apokalyptischen Visionen des Danielbuches. V.a. die Apokalyptik bedient sich der Allegorie. [Terminologisch ist zu unterscheiden: - Allegorie: allegorische Primärgattung: Texte die vom Autor von Anfang an als Allegorien konzipiert sind (z.B. Dan.7+9) - Allegorisierung: allegorische Sekundärbearbeitung von Texten, so dass diese jetzt allegorische Einzelzüge enthalten (z.B. Mt.22,7: Hinweis auf die Zerstörung Jerusalems). - Allegorese: allegorische Exegese eines Textes, bei der ein nicht allegorischer Text so ausgelegt wird, als handle es sich um eine Allegorie (z.B. Mk.4,13ff; Mt.13,36ff).] - Wo die bildhaft dargestellte Sache dagegen einliniger ist und nur ein einziger Sachverhalt zum Ausdruck kommt, ist vom Gleichnis im eigentl. Sinn zu sprechen. Hier findet sich die Einheit nicht nur in der Sache, sondern auch im Bild: Sache ------> Bild-------------------------- | | | | | | E1 E2 E3 E4 E5 E6 Es ergeben sich formal drei Untergruppen: - Das Bildwort bringt den einen Sachverhalt mit einem kurzen und prägnanten Bild zum Ausdruck. Bsp.: "Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die hoch auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben." Das Bild selbst enthält wenige oder nur einen Einzelzug. - Das Gleichnis im engeren Sinne bietet das Bild in einer ausgeführten Erzählung, die einen alltäglichen, allgemein einsichtigen und selbstverständlichen Vorgang beschreibt. Sie sind der jederman zugänglichen Wirklichkeit entnommen. Allgemein wird im Präsens erzählt und eher aufgrund eines bestehenden Konsenses argumentiert (Anknüpfung -> Übereinstimmung in der Bildaussage). Bsp.: Gleichnis vom Sauerteig; Gl.v. Senfkorn. Die Selbstverständlichkeit der in den Gleichnissen erzählten Vorgänge wird oft dadurch unterstrichen, dass sie durch die rhetorische Frage "Wer unter euch...?" eingeleitet werden. - Die Parabel bringt das Bild ebenfalls in einer Erzählung, allerdings verwendet sie einen einmaligen, durch seine Umstände und die Handlungsweise der beteiligten Personen aus dem Rahmen fallenden Vorfall. Eine besondere, eben nicht alltägliche Geschichte wird erzählt. Die Pointe der Parabel liegt oft bei dem unerwarteten oder gar anstößigen Einzelzug. Allgemein wird im Präteritum erzählt und eher gegen einen bestehenden Konsens argumentiert (Widerspruch gegen Bilderzählung). Bsp.: Parabel vom klugen bzw. betrügerischen Verwalter (Lk.16,1-13); Parabel vom verlorenen Sohn (Lk.15,11-32). - Verwandt mit der Parabel ist die Beispielerzählung. Hier wird eine vorbildhafte Handlung so erzählt, dass es keine Doppellung in Sache und Bild gibt. Folglich ist die Beispielerzählung auch nur bedingt unter den gleichnishaften Gattungen unterzuordnen. Doch kann der Übergang zw. Parabel und Beispielerzählung fließend sein (so handelt z.B. der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn durchaus beispielhaft vorbildlich). Die Beispielerzählung hat ihren Sitz im Leben in der ethischen Unterweisung. Nicht zufällig endet Lk.10, 29-37 (Barmherziger Samariter) mit "So geh auch du hin und tue genauso". Häufiger findet sich allerdings die abschreckende Beispielerzählung, wo ein negatives Beispiel zur Lehre werden soll: Lk.12, 16-21 (Vom reichen Kornbauern); Lk.16, 19-31 (Vom reichen Mann und dem armen Lazarus). Vorbildhaftes und abschreckendes Element verbindet sich in der Erzählung von Pharisäer und vom Zöllner (Lk.18, 914). Diese im NT enthaltenen vier Beispielerzählungen entstammen alle dem lukanischen Sondergut. Wo gleichnishafte Erzählungen begegnen (Gleichnis, Parabel, Beispielerzählung) lassen sich oft folgende Erzählelemente finden: - Anfangsgestaltung: - Nominativanfang: "Siehe, ein Sämann ging aus..." (Mt.13,3) - Dativanfang: "Die Gottesherrschaft gleicht einem Mann..." (Mt.13, 24 -> Kurzform; vgl.: Mk.4, 30f -> Langform) - Gleichnismitte: - Dreizahl der Handlungen und Achtergewicht (z.B. Beispielerzählung vom barmherzigen Samariter; Lk.10,30ff) - Szenische Zweiheit: Nur zwei Personen treten gleichzeitig auf (z.B. Vater-verlorener Sohn/Vater-älterer Sohn; Lk.15,11ff) - Knappheit der Motivation: Zu Beginn der Handlung fehlt oft die Motivation, die bei der entscheidenden Wende im Selbstgespräch gebracht wird (Lk.15, 8ff). - Abbruch der Erzählung nach der Pointe, ohne dass alle Probleme geklärt werden (z.B. bleibt offen, ob sich die beiden Söhne wieder versöhnen). - Gleichnisschluss: - Epimythion ("fabula docet"). Bsp.: "Ebenso werden die Ersten die letzten sein..." (Mt.20,16). Zumeist redaktionell. - Auslegungen (oft als Allegoresen): vgl.Mk.4,13-20; Mt.13,36-43 Folgendes Schaubild der Gleichnisformen (nach G.Sellin, Allegorie und Gleichnis, ZThK 75, 1978, S.281-335) veranschaulicht die Gattungseinteilung: Bildwort Gleichnis Parabel (Gleichnisspruch) Metapher | Spruch <---------------------> Erzählung (allgemein) | (besonders) Exempel Gnome (z.B.Lk.16,13) Beispielerzählung Gleichnisinterpretation und Sprachtheorie Konstitutiv für das Verständnis von Gleichnissen ist die den verschiedenen Interpretationskonzepten zugrundeliegende Sprachtheorie (die oft nicht ausdrücklich problematisiert wird). 1.) Die allegorische Gleichnisinterpretation Dieses Interpretationskonzept wird seit der Zeit des Urchristentums bis in die Neuzeit verwendet. Die Gleichnisse werden darin als geheime Belehrungen für die Kirche angesehen, in denen geheime Gesetzmäßigkeiten der Heilsaneignung und v.a. der Gang der Heilsgeschichte verschlüsselt zum Ausdruck kommt. Das Ziel der Auslegung besteht darin, möglichst viele Einzelzüge durch Übertragung zu entschlüsseln. Bsp: Nach Tertullian ist das vom verlorenen Sohn verprasste Vermögen des Vaters die natürliche Gotteserkenntnis; der Bürger, an den er sich hängt, der Fürst der Welt; die Schweine, die er behütet, die Dämonen; das Kleid, das der Vater ihm bringen lässt, der Zustand der Gottesebenbildlichkeit, das geschlachtete Mastkalb Hinweis auf das Herrenmahl. Gleichnisse werden hier durchgehend als Allegorien interpretiert, die entschlüsselt werden müssen. Im NT findet sich bereits dieses Interpretationskonzept (vgl. Mk.4, 13-20par; Mt.13, 37-43). Vielleicht ist auch die markin. Gleichnistheorie (Mk.4, 10-12par) auf diesem Hintergrund zu verstehen. 2.) A.Jülicher (Die Gleichnisreden Jesu, 1886/1898) Jülicher vertritt die traditionelle Auffassung, dass Sprache als Abbildung von Sachverhalten zu verstehen ist - auch als realistische Sprachtheorie bezeichnet. Sprache ist demnach ein Zeichensystem, in dem eine außersprachliche Realität abgebildet wird. Eine Sprache ist dann besonders präzise, wenn die verwendeten Begrifflichkeiten in ihrer Bedeutung genau definiert sind. Wo Begriffe im übertragenen Sinn gebraucht werden, wird dann (seit Aristoteles) von uneigentlichem Sprachgebrauch gesprochen (Die Abbildungsverhältnisse sind dann nicht mehr präzise). Uneigentlicher Sprachgebrauch ist im Sinne der Eindeutigkeit zu vermeiden, wird allerdings als didaktisches Hilfsmittel zu Veranschaulichung von (komplizierten) Sachverhalten akzeptiert. Uneigentlicher Sprachgebrauch ist aber prinzipiell immer in eigentlichen Sprachgebrauch, in dem Begriffe univok in einer festen Bedeutung gebraucht werden, übersetzbar. Auf dem Hintergrund dieser Sprachtheorie ergibt sich folgende Unterscheidung zw. Vergleich und Metapher: Vergleich Metapher - Bild und Sache stehen neben ein- - Die Metapher setzt das Bild andere: Dadurch wird gezeigt, in anstelle der Sache: Es gibt welcher Hinsicht verglichen wer- keinen Hinweis in welcher den soll. Der Vergleich ist Hinsicht verglichen werden eindeutig. soll. Konvention leitet. Den BSP.: "Seid klug wie die Schlan- noch bleibt e. Mehrdeutigk. gen und ohne Falsch wie die Tau- Bsp.: "Ihr seid das Salz der ben" (Mt.10,16) Erde." (Mt.5,13) - Durch die klare Kennzeichnung - Die Metapher ist uneigentl. des Vergleichspunktes findet s. Rede. Sie muss durch Übertrabeim Vergleich Eigentlichergung in eigentliche Rede vor Sprachgebrauch. Bild- und Sach- Missverständnissen geschützt hälfte werden durch das tertium werden. comparationis klar getrennt. - argumentative Funktion: Ein - verweisende Funktion: Ein Konsens in einer strittigen Fra- bestehender Konsens soll ge soll durch den Vergleich mit artikuliert werden. einem unstrittigen Sachverhalt hergestellt werden. Auf diesem Hintergrund wird nun unterschieden zwischen Gleichnis und Allegorie: Gleichnis Allegorie - Das Gleichnis ist ein ausge- - Die Allegorie entsteht aus führte Vergleich. der Aneinanderreihung von Metaphern. - Der Inhalt des Gleichnisses ist - Das zusammengesetzte allegor. realistisch und wahrscheinl, Bild ist künstl. konstruiert oft alltäglich. Daher für je- und deshalb nur für Eingedenk verständlich. weihte verständlich. Gleichnisse haben demnach für Jülicher die Funktion, religiössittliche Gedanken in argumentativer, durch Veranschaulichung dem Gesprächspartner entgegenkommender Weise zum Ausdruck zu bringen. Ihr Inhalt lässt sich in eigentlichen Sprachgebrauch übersetzen. Wo das Zentrum der Verkündigung Jesu dann in der Ankündigung der Nähe des Gottesreiches gesehen wird (so C.H.Dodd, 1935), werden die Gleichnisse dann als didaktische Illustration dieser Botschaft verstanden. 3.) Der "hermeneutische" Ansatz (E.Fuchs, E.Jüngel, H.Weder, u.a.) Neuere Ansätze zur Sprachtheorie (Wittgenstein, Quine, u.a.; auch Gadamer) zeigen, dass die Grundannahme der realistischen Sprachtheorie, die Bedeutung eines Begriffs lasse sich prinzipiell genau definieren, nicht haltbar ist. Folglich ist der metaphorische Sprachgebrauch für jede Sprache konstitutiv. Demnach kann nun auch nicht mehr zwischen eigentlichem und uneigentlichem Sprachgebrauch unterschieden werden und der Unterschied zw. Vergleich und Metapher verliert seine prinzipielle Bedeutung. Die Kraft der Sprache wird nun gerade in ihrer metaphorischen Möglichkeit erblickt: Nur dadurch lassen sich Strukturen in verschiedensten Ausprägungen festhalten. Sprache wird nun auch nicht mehr als Abbildung einer außersprachlichen Wirklichkeit angesehen, sondern als Zugang zur Welt. Sprache erschließt mir die Welt und hilft mir, mich in der Fülle meiner Wahrnehmungen zurechtzufinden, indem sie meine Wahrnehmungen und meine Handlungen strukturiert. Wo nun explizit metaphorischer Sprachgebrauch vorliegt, wird ein neuer Zugang zur Welt geschaffen. Z.B. versucht die Metapher "die Natur ist ein Tempel", eine neue Wahrnehmung der Natur zu bewirken. Angewandt auf die Sprachform Gleichnis ergibt die nun folgende Unterscheidung zw. Gleichnis und Allegorie: Gleichnis Allegorie - Das Gleichnis ist eine ausge- - Die Allegorie ist eine Verführte Metapher. Kettung mehrerer Metaphern. - Die erzählte, weltliche Ge- - Die Allegorie erzählt eine schichte bringt das Gottes- unweltliche Geschichte. Das reich in die Nähe der Welt. dargestellte göttliche GeIn der Welt werden Elemente schehen tritt in Distanz zur des Gottesreiches sichtbar. Welt. Die Nähe des Gottesreiches wird durch das Gleichnis zum erfahrbarem Ereignis. Das Gleichnis wird jetzt verstanden als ein Sprachgeschehen, in dem die Nähe des Gottesreiches selbst zum Menschen kommt. Inhalt (Ansage der Nähe des Gottesreiches) und Form (Gleichniserzählung) sind nicht voneinander zu trennen. Das Gleichnis ist nicht nur ein Werkzeug zur Illustration, sondern ein Geschehen. Folglich kann das Gleichnis nicht in begriffliche Sprache übertragen werden (Das Geschehen würde als statischer Satz seine Wirkkraft verlieren), sondern muss neu "aufgeführt" werden. Die Auslegung vollzieht sich dadurch im wesentl. als Umschreibung des Gleichnisses, die heute nicht mehr selbstverständlich verstehbare Einzelzüge (z.B. der Aufenthalt des verlorenen Sohnes bei den Schweinen) erläutert. Die Gleichnisse im Kontext der Verkündigung Jesu und der Gemeinde Die Gleichnisse sind entstanden in der Verkündigung Jesu und deshalb in diesem Zshg. zu verstehen. Das Zentrum der Verkündigung Jesu bildete die Ansage der Nähe der Gottesherrschaft. Wie verhalten sich die Gleichnisse zu dieser Verkündigung? - Gleichnisse vollziehen die Nähe der Gottesherrschaft, in dem die Gottesherrschaft im Gleichnis zur Sprache kommt (Jüngel). Insofern sind sie nicht nur Illustration der Botschaft Jesu, sondern eigener Teil seiner Wirkung (s.o.), der seiner sonstigen Wirkung wesenhaft entspricht. - Jesus vermittelt in den Gleichnissen eine Beziehung zu Gott oder zum Gottesreich, die im Gleichnis vor den Hörern aufgebaut wird, die aber auf Akzeptanz bei den Hörern angewiesen ist. D.h. die Gleichnisse fordern zur Stellungnahme voraus. Eine positive Stellungnahme kann bedeuten, dass bisherige Vorverständnisse über Gott und sein Reich aufgegeben werden müssen. Eine negative Stellungnahme findet oft das dargebotene Gottesbild unangemessen oder gar blasphemisch. Diese Funktion führt manchmal dazu, dass in den Gleichnissen der Einspruch der Hörer selbst thematisiert wird (z.B. Gl.v.d.Arbeitern im Weinberg, Mt.20). Die Situation des Hörers wird gleichfalls mit der im Gleichnis geschilderten verschränkt (E.Linnemann). - Diese scheidende Funktion haben die Gleichnisse mit den anderen Formen des Wirkens Jesu gemeinsam: Jesus nimmt in den Gleichnissen Gottes Autorität ebenso in Anspruch wie in seiner Gesetzesverkündigung und in seinen Heilungen. - Werden die Gleichnisse innerhalb der Wirkung Jesu verstanden, so lassen sich auch für die einzelnen Gleichnisse Hörergruppen und Situationen denken. Dabei ist nach den möglichen Adressaten, ihrer Vorverständnissen und Problemen und nach der ursprüngl. Kommunikationssituation zu fragen. Jetzt sind die Gleichnisse abgelöst von dieser Kommunikationssituation überliefert, doch es lassen sich Rückschlüsse ziehen: - Antworten Jesu an seine jüdischen Gegner und Kritiker könnten die Gleichnisse sein, die um das Thema Sünder und Gerechte kreisen und Gottes Freude über das Verlorene herausstellen: Mt.20,1-15 (Arbeiter im Weinberg); 21,28-31 (Ungleiche Söhne); Lk.7,41f (Zwei Schuldner); 15,1-32 (Drei Gl. vom Verlorenen); 18,9-14 (Pharisäer und Zöllner). - An Unentschlossene, v.a. an Israels Führer gerichtet könnten Gleichnisse sein, die vom Ernst der Stunde handeln und aufrufen, mit der Nähe des Gerichts zu rechnen (Krisis Gleichnisse): Lk.12,16-20 (Reicher Kornbauer); 12,42-46 (Treuer Knecht); 13,24-30 (Verschlossene Tür); 14,16-24 (Große Gastmahl); Mt.25,1-12 (Zehn Jungfrauen). - An die Jünger könnten die Wachstumsgleichnisse gerichtet sein. Hier geht es um den Zuspruch von Trost und Hoffnung angesichts der gegenwärtigen Verborgenheit der Gottesherr schaft: Mk.4,2-9 (Sämann); Mk.4,30-32 (Senfkorn); Mt.13,24-30 (Unkraut unter dem Weizen); Mt.13;33 (Sauerteig). - Auch an die Jünger wenden sich wohl Gleichnisse, die zu neuem Verhalten aufrufen: Mt.18,23-35 (Schalksknecht); Lk.10,30-37 (Barmherziger Samariter); 14,28-32 (Vom Turmbau und Kriegführen); 16,19-31 (Reicher Mann und armer Lazarus); ferner zahlreiche Bildworte (z.B. Mt.5,13-16; 7,18ff+24-27). - Es ist festzustellen, dass sich bei Jesus keine Allegorese findet. Die wenigen allegorischen Texte im NT sind deutlich Gemeindebildungen. Dies zeigt, dass es Jesus nicht auf einen abgeschlossenen Jüngerkreis, sondern um die Verkündigung des Gottesreiches für alle Menschen ging. Jesus wollte nicht verhüllen, sondern verständlich machen (anders dagegen die markin. Gleichnistheorie und die spätere Auslegungs-Praxis der Kirche). Dagegen finden sich einzelne allegorische Elemente in Gleichnissen. Es handelt sich dabei um eine Reihe metaphorischer Züge, die durchweg der religiösen Sprache Israels entstammen und daher für die Zuhörer Jesu verständlich waren. Sie erleichtern das Verständnis der Gleichnisse. So stehen Vater und Hirte für Gott; der Ölbaum und Weinberg für Israel, die Ernte für das Weltgericht usw. Der Wechsel der Situation vom vorösterlichen Wirken Jesu zur nachösterlichen Gemeinde hat in der Gleichnis-Überlieferung tiefe Spuren hinterlassen, die bei der Gleichnisauslegung zu berücksichtigen sind: - Die Gleichnisse wurden in ihrem Wortlaut bewahrt, doch kamen sie in neue Kommunikationssituationen, da die ursprünglichen Situationen so nicht mehr gegeben waren: Z.B. waren die Auseinandersetzung mit jüdischen Gegnern für Heidenchristen wohl kein Problem mehr. - Der Zuhörerkreis hatte sich gewandelt: Die Gleichnisse wurden jetzt zur innergemeindlichen Unterweisung eingesetzt. Anstelle der Eröffnung der Nähe der Gottesherrschaft trat nun die Einübung und Befestigung im Glauben an Jesus Christus. Folglich gab es zwei Entwicklungen: - Es kam zur Allegorisierung der Gleichnisse. Sie wurden nun als esoterische Lehre, die Außenstehenden unverständlich war, verständen. Die bereits Wissenden fanden darin Bestätigung und Vertiefung ihres Wissens. Die sog. Parabeltheorie Mk.4, 11f+33 ist die prägnanteste Formulierung dieses Ansatzes. Hier wird die Allegorisierung auf den hist. Jesus zurückprojiziert. Zwei allegorische Gleichnisdeutungen sind überliefert: Beim Sämann-Gleichnis (Mk.4, 13-20par) und beim Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt.13, 37-43). Andere Gleichnisse sind durch Erweiterungen des Textes für allegorische Deutung zugänglich gemacht worden (Mt.22, 2-10 gegen Lk.14, 16-24). - Es kam ferner zur Paränetisierung. So sind eine Reihe von Gleichnissen durch redaktionelle Zusätze zu Beispielerzählungen umfunktioniert worden. Z.B. wird das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Mt.18, 12-14 gegen Lk.15, 4-7) durch Hinzufügung von von 18,14 zu einer Verhaltensregel für Gemeindeleiter. Gleichnisse, die ein anstößiges Verhalten erzählen, werden dabei zur negativen Beispielgeschichte (vgl. Lk.16, 1-8 und die Zusätze 8bff). J.Jeremias kritisiert diese Verfälschung der Gleichnisse durch das Urchristentum und fordert, die Gleichnisse allein aus der Verkündigungssituation des hist. Jesus zu verstehen. So kommt es bei ihm zu einem historisierendes Gleichnisverständnis.

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