Donnerstag, 28. Juli 2011

Rudolf Bultmann


Biographie und Werke

- Als Sohn eines Pfarrers wurde Rudolf Bultmann 1884 in Wiefelstede, in der Nähe Oldenburgs, geboren.
- In Tübingen, Berlin und Marburg studierte er Theologie und  Philosophie, und wandte sich dann unverzüglich der wissenschaftlichen Laufbahn zu. 1910 Promotion, 1912 Habilitation für NT in  Marburg. 1916 wurde er nach Breslau, 1920 nach Gießen berufen.  Als er 1921 einen Ruf nach Marburg erhielt, kehrte er in seine  akademische Heimat zurück. Bis zu seiner Emeritierung 1951  blieb er dort.
- In Marburg wurde er zum Mitbegründer und führenden Vertreter  der Formgeschichte. Er befreundete sich mit Karl Barth und  wurde Vertreter der dialektischen Theologie, arbeitete aber  auch mit dem damals in Marburg dozierenden Existentialphilosophen Martin Heidegger zusammen (Der "frühe" Heidegger). An  dieser Stelle ist zu vermerken, dass Bultmann sein ganzes Leben  hindurch so gut wie unverändert derselbe geblieben ist: es gibt  keinen wesentlichen Unterschied zwischen dem "frühen" und dem  "späten" Bultmann. Sein Ansatz war von Anfang an so gut wie  fertig da und wurde im Laufe der Zeit lediglich ausgebaut.
- Während der Zeit des Nationalsozialismus Schloss Bultmann sich  der Bekennenden Kirche an. Bekannt ist seine mutige Stellungnahme zum Arierparagraphen 1933; auch das damalige klare Gutachten der Marburger Fakultät zum Arierparagraphen ist, wenn auch  vom Dekan von Soden unterzeichnet, von ihm mitverantwortet.  Nach den Schwierigkeiten und Einengungen der NS-Zeit, so starb  sein Bruder im KZ, erlebte er den Einmarsch der Amerikaner in  Marburg als Befreiung.
- Über den Kreis der Theologen hinaus ist Bultmann erst so  richtig nach dem 2. Weltkrieg bekannt geworden. Entscheidend  war hierfür ein einziger Vortrag mit dem Titel "Neues Testament und Mythologie" aus dem Jahre 1941. In der damals existenzbedrohenden Zeit war er kaum beachtet worden; aber nach dem  Krieg entfachte er eine nachhaltige, äußerst heftige Diskussion. Das ebenso eingängige wie unglückliche Schlagwort von der  "Entmythologisierung des Neuen Testaments" hat nicht unwesentlich zu dem großen Aufsehen um diese Schrift beigetragen. Von  Kirchenleitungen, manchen Theologen und vielen Gemeindegliedern  wurde diese Schrift jedoch nicht als Appell an die Aufarbeitung  theologischer Sachprobleme empfunden, sondern als Zerstörungswerk für Glauben und Kirche. So zogen pietistische Pamphlete  gegen eine "Demontage der Christusbotschaft" u. "Blutvergiftung"  zu Felde. 1952 stand gar die Generalsynode der VELKD dicht  davor, Bultmanns Theologie öffentlich zu verurteilen. Dem Hamburger Bischof Herntrich ist es zu verdanken, dass man von  diesem Vorhaben abließ.
- Seine wissenschaftlichen Leistungen machten ihn in seinem Fach  trotz der Anfeindungen konservativer Kreise zum unbestrittenen  Meister und zum Haupt einer weitverzweigten Schule von Neutestamentlern.
- Neben seiner frühen "Geschichte der synoptischen Tradition"  (1921), die seine formgeschichtliche Arbeit begründete, seinem  Buch "Jesus" (1926), dem berühmten Kommentar zum Johannesevangelium (1941), der Schrift "Das Urchristentum im Rahmen der  antiken Religionen" (1949) und der Theologie des Neuen Testaments (1953), hat Bultmann durch eine Unzahl von größeren und  kleineren Arbeiten zu Fragen der Theologie und der ntl. Wissenschaft Stellung genommen. Vieles davon findet sich in den  Sammelbänden "Glauben und Verstehen" (I: 1933; II: 1954).


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