Mittwoch, 13. Juli 2011

Luthers Wort-Gottes-Theologie

"Wort Gottes" ist Luthers Ausdruck für den Offenbarungsanspruch und zugleich mächtigen Zuspruch des in Christus gegenwärtigen Gottes. Christus ist selber das eine Wort Gottes. Das göttl. Wort, das den Glauben schafft, bildet quasi das Fundament der Theologie. Luther vertritt damit eine "Theologie des Wortes" und versteht sich durchgehend als Lehrer der Heiligen Schrift.


1. Die viva vox evangelii

Wir können Gott wohl schon in der Welt erkennen. Aber ihn wirklich erkennen, d.h. als der Welt Herr und Erlöser, das können wir nicht (vgl. die Unterscheidung von deus absconditus und deus revelatus). Der Weg zu Gott geht durch Worte der Heiligen Schrift, die von Christus zeugen. Es geht dabei aber darum, dass wir diese als Wort Gottes hören und nicht einfach als Wort, dass wir es für uns als Gesetz und Evangelium hören und es so in uns den rechtfertigenden Glauben schaffen.

Wo das Wort Gottes bezeugt und bewahrt wird, da ist Kirche, d.h. die Schar der von Gott Gerufenen, sein Volk. Durch das Wort wird ihnen Gottes Wille und Tat offenbar (vgl. CA VII: congregatio sanctorum, in qua evangelium pure docetur et recte administrantur sacramenta). Die Kirche gründet also sich auf das Wort Gottes und lebt aus ihm, wobei die Sakramente so als "leibliches" Wort verstanden werden. Röm.10, 17 bekommt so für Luther zentrale Bedeutung: "Der Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi." Wo die heilige Schrift ist, da ist Gott. Zugleich werden so die Predigt und die Sakramentsfeier in der versammelten Gemeinde zum Mittelpunkt des Gemeindelebens.


2. Die Objektivität des Gotteswortes

Gottes Wort und Geist kommt als Menschenwort zu uns, d.h. als "äußerliches Wort". Luther wendet sich so gegen ein Wirken des Geistes abgetrennt vom Wirken des Wortes, wie es bei den "Schwärmern" propagiert wird, und bindet praktisch das Wirken des Hl. Geistes an das mündliche, äußere Wort, das wiederum an die Schrift gebunden ist (Schmalkald. Artikel). Dies unterstreicht die Bedeutung des Wortes Gottes als einzige Quelle der Gotteserfahrung.
Diese Betonung der Schrift für die Gotteserfahrung ist auch auf dem Hintergrund von Luthers Anfechtungserfahrungen zu sehen: Den inneren sich widersprechenden und die eigene Person verklagenden Stimmen ausgesetzt, flüchtet Luther zu dem äußeren, nicht von eigenen Stimmungen abhängigen Schriftwort. Das subjektiv erfahrene Heil, das allen Schwankungen des Innenlebens anheimgegeben war, wurde durch die Schrift aus der Unsicherheit des Subjektivismus herausgehoben und mit der objektiven Heilsgewißheit beschenkt.
Wenn die Gottesbeziehung durch Gottes Wort aber nur rein mechanisch aufgefasst wird, dann droht ein verallgemeinernder Biblizismus (Wie Luther es z.B. bei den Bauern kritisiert.). Damit die Schrift zu Gottes Wort wird, muss sie Christum treiben. D.h. es braucht eine hermeneutische Vermittlung zw. Schrift und Verkündigung, die durch die Orientierung am Evangelium von Jesus Christus und der Rechtfertigung des Sünders aus Gnade möglich wird.


3. Verschiedenheit und Zusammengehörigkeit des einen Wortes

Das Wort Gottes ist unteilbar, obwohl es nach den Begriffen Gesetz und Evangelium in der Wirkung auf den Menschen zu unterscheiden ist: Das Gesetz legt die Sünde bloß und verklagt den Menschen im Gewissen. Das Evangelium verkündet die Botschaft von der den Menschen zukommenden Gnade Gottes in Christus.
Aber auch diese beiden Begriffe sind nicht voneinander zu trennen. Wie das Gesetz seine Vollendung erst im Evangelium findet, so darf das Evangelium nur in Bezug zum Gesetz gepredigt werden.

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