Mittwoch, 13. Juli 2011

Luthers Gotteslehre

Luther unterscheidet v.a. in seiner Schrift "De servo arbitrio" (die eigentlich "In Gottes Sache" heißen sollte) zwei Wirkungsbereiche Gottes:

Im Bereich der Schöpfung durchwaltet Gott alles geschichtliche Geschehen. Gott ist in allem Geschehen wirkend gegenwärtig. Die Schöpfung ist also von Gott nicht nur ins Dasein gerufen, sie wird von ihm auch ständig durchwaltet und regiert. Luther war dabei vom Gedanken der Allgegenwart und Allmacht Gottes durchdrungen. Die Schöpfung ist auf diese Weise der von Gott gewollte Weg, um seinen Heilsplan durchzuführen.
Gottes Wirken im Bereich der Schöpfung ist allerdings verborgen, es ist nicht verstehbar. Dies wird uns v.a. in den Erfahrungen des Leidens und der Sinnlosigkeit deutlich. Luther spricht deshalb vom verborgenen Gott, vom deus absconditus.
Da Gott unerkannt in der Schöpfung wirkt, so dass Luther trotz der Rede von einer Willensdeterminiertheit durch den allwirksamen Gott von einer menschlichen Freiheit sprechen kann, in der er sich mit seiner weltlichen Vernunft um eine bürgerliche Gerechtigkeit bemühen muss (-> iustitia civilis).

Im Bereich der Erlösung wirkt Gott in Jesus Christus durch sein Wort. Er weckt im Menschen den Glauben, der ihn in der Rechtfertigung zum Empfang des Heils führt und zugleich ihn zur Gemeinschaft mit sich und dadurch zu rechter Mitmenschlichkeit bringt. Dieses heilshandeln in Christus, dass allein im Glauben empfangen wird und nur darin erkennbar ist, lässt Gott uns aus lauter Gnade zukommen.
In diesem Bereich ist Gott für uns in seinem ganzen Wesen erkennbar und offenbar, weshalb Luther vom deus revelatus spricht.
Dabei offenbart sich Gott in Jesus Christus völlig als Liebe, die den Menschen zum Glauben führt: Gott ist "ein gluender backofen voller Liebe".

Luthers Gottesanschauung kann mit einer Ellipse verglichen werden, deren beide Brennpunkte für Luthers Gottesbild zentrierende Funktion haben. Der theozentrische Brennpunkt leuchtet stark in der Schöpfungslehre und bei der Auslegung des ersten Gebotes. Der christozentrische besonders bei der Betonung des Namens Gottes und in Psalmen- und Evangelientexten. Beide Punkte gehen im Wort Gottes zusammen.

Folgende Konsequenzen zieht Luther nun aus dieser Unterscheidung zw. deus absconditus und deus revelatus:
- Der "verborgene Gott" (deus absconditus) steht nicht in Gegensatz zu dem in Christus sich offenbarenden (deus revelatus). Der Gekreuzigte und Auferstandene ist auch der verborgene Gott. Es ist der verborgene Gott, der s. in Jesus Christus offenbart. Er gibt sich kund in Jesus Christus und wird in ihm konkret.
- Dennoch kann Luther mit der Rede vom verborgenen Gott die Theodizee-Frage und andere Glaubensschwierigkeiten im Gottesbegriff (Partielle Prädestination) umgehen: Die Theodizee-Frage stellt sich uns, wenn wir den verborgenen Gott sehen. Der deus absconditus als grausamer und unverständl. Gott für den natürl. Menschen. Wir sollen aber auf den offenbaren Gott sehen, denn hier sehen wir das wahre Wesen Gottes. Hier neigt Luther dann dazu, deus absconditus und deus relevatus dualistisch einander entgegenzustellen.
- Da das Wesen Gottes nur im deus relevatus erkennbar ist, dieser wiederum nur im Glauben, lehnt Luther einen philosophischen Erkenntnisweg in der Gotteslehre ab. Gott und seine Offenbarung entsprechen nicht den Gottesbildern, die Religion und Philosophie anbieten.
Luther deckt dabei bloß menschlich gedachte Gottesvorstellungen entlarvend auf. Der in seinem Wort offenbar werdende Gott verbirgt sich am Kreuz jedem, der einen bloß menschlich gedachten Gott der Majestät und Allmacht meint. Aber er offenbart sich den Glaubenden unter dem Kreuz als der wahre König und Herr. Der allmächtige Gott ist im Kreuz derart verborgen, dass er menschlich gesehen in der Welt keine äußere Macht besitzt. Dass Christus zugleich Leidender und Sieger sein soll, muss der Vernunft verborgen bleiben. Luther findet dieses Gottesbild schon im AT, in Jes.52, 13-53,12 gezeichnet und entwickelt diese Gedanken in Anlehnung an 1.Kor.1,18ff und Hebr.11, 1 weiter.

Auf dem Hintergrund der Unterscheidung von deus absconditus und deus revelatus entwickelt Luther auch seine Gedanken zur Prädestination:

Die Prädestination hat für Luther ein Doppelgesicht. Das natürliche Auge sieht den grausamen Gott, der das Böse zulässt und treibt (Das ist nicht zu verstehen und somit typisch für den deus absconditus). Der Glaubende erkennt aber das Geheimnis der Erwählung in Christo: die Gnade Gottes, die allen angeboten wird, und die allein der Urheber des Glaubens ist und damit der einzige Grund für des Menschen Heil.
Der Angefochtene Glauben wird von Luther immer an den deus revelatus verwiesen: In der Rechtfertigungsgewißheit besteht dann die Heilsgewißheit, ohne den Reflexionszwang über die Gnadenwahl. Christus-Glaube ist Heilsgewißheit.
Es wäre vermessen über die verborgene und unergründl. Majestät Gottes zu grübeln. Luther unterscheidet deshalb zwischen dem Licht der Natur, der Gnade und der Herrlichkeit. Im Licht der Natur scheint uns die Ungerechtigkeit in der Welt unverständlich. Daher finden viele Dinge erst im Licht der Gnade ein Erklärung (z.B. warum Gute leiden müssen), die der Mensch im Licht der Natur nicht verstehen kann. Doch erst im Licht der Herrlichkeit findet das Geheimnis der Prädestination samt seiner Gerechtigkeit seine vollständige Erklärung.

1 Kommentar:

  1. Dass der Mensch in Sünde fällt, hat Gott nicht überrascht. Die ganze Bibel wurde in dem Wissen verfasst, daß es eine Trennung gab zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf. In Römer 8, 6-8 steht entsprechend: ''Denn das Trachten des Fleisches ist Tod, das Trachten des Geistes aber Leben und Frieden, weil nämlich das Trachten des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist; denn es unterwirft sich dem Gesetz Gottes nicht, und kann es auch nicht; und die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen''. Selbst die Schöpfung an sich geschah mit dem Wissen und der Vorausschau, daß der Mensch durch Unglauben und Abkehr von Gott, sich den Weg in die himmlische Ewigkeit selbst verdarb und verbaute. Gott wusste, daß er mit der Erschaffung des Menschen gleichzeitig eine Lösung des Sündenproblems ''zum Leben erweckte''. So etwas wie Gottesfurcht, also Respekt, Anerkennung und Ehrerbietung kennt ein Mensch ohne Glauben nicht (Römer 3,18). Er kann es sich und anderen vielleicht vorspielen, aber in seiner Seele dennoch von Gottes Frieden und Heil weit entfernt sein, und ignorieren, daß es nicht echt ist (Matthäus 7, 21-23). Gottes Heilsversprechen beruht auf seiner Gnade - nicht auf meiner Zustimmung, die IHN dann gnädig sein lässt, denn das widerspräche der Bibel (Epheser 2,8: ''Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch...''). Es gibt kein vom Menschen verursachtes Reaktionsheil, sondern nur ein von Gott vorherbestimmtes Gnadenheil. Ein Mensch fragt einfach nicht nach Gott (Römer 3, 11-12). Gnade bedeutet also tatsächlich soviel wie wenn jemand ungefragt barmherzig ist. Daß es eine geschichtliche Hinführung zu Jesus Christus, dem Lamm Gottes, (Johannes 1,36) gibt, ist unbestritten und eindeutig, und war die Bestimmung von Gottes Sohn.

    Das Gesetz wurde aufgestellt, um dem Menschen überhaupt einmal das Gefühl und die Vorstellung für Recht und Unrecht, Glaube und Unglaube, Gnade und Verdienst, Gerechtigkeit und Unrecht sowie Erwählung und Verdammnis aufzuzeigen und zu vermitteln. Entsprechend steht in Galater 3, 24-25: ''So ist also das Gesetz unser Lehrmeister geworden auf Christus hin, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Lehrmeister...''. Gäbe es nicht den verkündeten Maßstab Gottes (den kein Mensch erfüllen kann) würde man sich sicherlich fragen, warum man überhaupt an die Gnade und Vergebung glauben soll? Ohne das offenbarte Licht, würde man die Finsternis nicht sehen. Das bedeutet nicht, daß im Licht auch Finsternis ist, sondern daß erst das Licht auch den Schatten sichtbar macht. Da die Finsternis nicht das Licht sichtbar machen kann, muss Gott einem geistlich toten Menschen (1. Korinther 2,14) den Glauben offenbaren und zugänglich machen. Niemand kommt zu Jesus außer Gott zieht ihn (Johannes 14,6). Das Gesetz wird nicht durch den Glauben außer Kraft gesetzt, sondern bestätigt (der Mensch ist schuldig) und erfüllt (am Kreuz von Golgatha). In Römer 10,4 steht: ''Denn Christus ist das Ende des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt''. Der Glaube kommt von Gott - als Mittel zum Heil in Jesus Christus - Apostelgeschichte 4,12: ''Und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen!''.

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