Dienstag, 19. Juli 2011

Eberhard Jüngel


Eberhard Jüngel wurde 1934 in Magdeburg geboren. Als Schüler von Barth, Ebeling und Fuchs wurde er Dozent für NT und Syst. Theologie in Berlin und dann Professor in Tübingen. Wichtige Werke:
- Paulus und Jesus. Eine Unters. zur Präzisierung der Frage nach  dem Ursprung der Christologie (1962).
- Gottes Sein ist im Werden. Verantwortliche Rede vom Sein  Gottes bei Barth (1965).
- Unterwegs zur Sache (1972).
- Gott als Geheimnis der Welt. Zur Begründung der Theologie des  Gekreuzigten im Streit zwischen Theismus und Atheismus (1977).
- Entsprechungen: Gott - Wahrheit - Mensch. Theol. Erörterungen
- Glauben und Verstehen. Zum Theologiebegriff Bultmanns (1985).
- Tod.

Paulus und Jesus

Das gleichnamige Buch zeigte 1962 eine neue Entwicklung an. In ihm führen hist. und formgeschichtl. Ergebnisse v.a. der Bultmann-Schule zu theol. Folgerungen wie sie für Barths Theologie grundlegend sind. Eine neue Synthese aus beiden Ansätzen bahnt sich damit an.
Jüngel stellt die Theologie des Paulus der Verkündigung des hist. Jesus nach den Synoptikern gegenüber. Die Auferstehung Jesu steht dabei im Zentrum. Die "sprachliche Differenz" zwischen Paulus, der auf Ostern zurückblickt und Jesus, der "nach vorne, in die Zukunft" blickt, ist kein sachlicher Gegensatz. Jüngel verweist dabei "auf das eschatologische Ja Gottes zum Menschen als das beide Sprachereignisse ermöglichende extra nos der Sprache Gottes". Die eschatologische Identität von Eschaton und Geschichte, also die Tatsächlichkeit der Offenbarung Gottes in der Geschichte, ist sprachlich nicht zum Ausdruck zu bringen (sprachliche Differenz). Menschliches Sprachereignis kann auf die Sprache Gottes, mit Barth gesprochen, immer nur verweisen (nicht aufzuhebende Dialektik).

Zur Christologie

Jüngels Christologie ist noch nicht systematisch ausgeführt. Was zu erkennen ist, ist der Versuch der Synthese der Ansätze seiner Lehrer. Folgendes ist hervorzuheben:
- Betonung der Zeiterfahrung
- Integration der neuerlichen Frage nach dem "hist. Jesus" - Neufassung der Inkarnation und der Gesichtspunkte der An- und
 Enhypostasie
Jüngel zeigt, dass es nicht angeht, Gott unter Absehen von Christus zu denken. Am Kreuz Christi definiert sich Gott für die Menschen. Ferner macht Jüngel die Auferstehung zur Mitte seiner Christologie, um die Anliegen hist.-krit. Exegeten, die sich gerade nicht auf die Auferstehung beziehen, aufzugreifen: Um der Wirklichkeit des hist. Jesus gerecht zu werden, bedarf es gerade des systemat. Ansatzes bei der Auferstehung. In der Auferstehung identifiziert sich Gott so mit dem Menschen Jesus, dass er selbst nicht länger als unbeweges Wesen erfasst werden darf. Denn "Gott entspricht sich selbst", weil er uns anspricht. Er will nicht ohne uns Gott sein.
Der Horizont dieses Geschehens zwischen Gott und Mensch ist die Sprache. Sie ist als Ereignis lebendig, weil sie ein jetzt enthüllt, das aus der Zukunft kommt. Der Zeitbegriff wird zum Schlüssel für Jüngel Ansatz. Jener hist. Jesus, der eigentlich mit der alt werdenden Zeit zum reinen Faktum erstarren müsste, lebte selbst so in der Zukunft (Gottes), dass ihn die verfließende menschliche Zeit nicht überholen kann.
Mit dem Begriff der "Anhypostasie" (die menschliche Natur Christi für sich betrachtet) will Jüngel das Leben Jesu deuten: Jesus lebte ganz auf Gott hin, er lebt nicht aus sich selbst und für sich selbst. Dagegen spricht er von "Enhypostasie" im Bezug auf den Auferstandenen: Gott identifiziert sich mit dem Menschen Jesus; das beweist er in der Auferweckung Jesu. Nun lebt Jesus enhypostatisch in ihm.

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