Dienstag, 19. Juli 2011

Dei verbum


Zwar schon 1962 diskutiert, wurde diese dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung und ihre Weitergabe aber nach viel Streit und noch mehr Änderungen erst 1965 verabschiedet.

Das 1. Kapitel handelt von der Offenbarung Gottes. Sie wird als Selbstmitteilung Gottes verstanden (-> keine bloßen Sätze über Gott). Offenbarung ist nicht allein Wort und Lehre, sondern bildet eine Einheit von Tat- und Wortoffenbarung. Sie ist ereignishaftes Handeln Gottes am Menschen, zu dem das dem Glauben gesagte Wort gehört. Die Tatoffenbarung ist nicht begrenzt auf natürliche Offenbarung oder Wunder bzw. Erfüllung von Prophezeiungen. Der Heilswillen Gottes konkretisiert sich vielmehr in der amtlichen Heilsgeschichte. Sie ist in Christus abgeschlossen und erfüllt. Sie wirkt dadurch immerfort neu, "dass Gott mit uns ist."
Die beiden abschließenden Artikel kommen auf den Glauben des Menschen zu sprechen, der als Gehorsam, als personale Begegnung mit Gott und als Übereignung des ganzen Menschen verstanden wird. Dies wird ermöglicht durch die zuvorkommende Gnade Gottes.

Das 2. Kapitel, das sich mit der Weitergabe der Offenbarung befasst, hebt hervor, dass das Evangelium der Kirche zur Predigt und Bewahrung anvertraut ist. Dabei wird auf das Verhältnis von Überlieferung und Schrift eingegangen. Das sie beide umfassende ist die ursprüngliche apostolische Predigt. Die besondere Würde der Schrift liegt darin, dass in ihr diese Predigt besonders deutlich zum Ausdruck kommt. Dem gegenüber ist die Überlieferung kein quantitativer sondern ein qualitativer Fortschritt. Bei ihr geht es um Gewissheit über alles geoffenbarte und um die Erkenntnis des "vollständigen Kanons". Das Lehramt steht dabei nicht über dem Wort Gottes, sondern es dient ihm.

Das 3. Kapitel über die Inspiration und Interpretation der Schrift unterscheidet zwischen Gott als dem Urheber der Schrift und den Menschen als deren "echte Verfasser". Die Schrift ist nicht ohne Irrtum, aber sie lehrt die Wahrheit. Diese ist "die Wahrheit, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte".
In Offenheit gegenüber der Bibelforschung geht es dann um die Prinzipien der Schriftauslegung: Es geht darum, die Aussageabsicht eines Autors zu ermitteln. Hierzu gibt es eine Reihe von methodischen Möglichkeiten (angedeutet wird insbesondere die Gattungskritik der formgeschichtl. Schule). Der Rang und die Freiheit der exegetischen Forschung werden ausdrücklich anerkannt. Sie ist jedoch nicht die einzige Methode der Beschäftigung mit der Schrift: es kommt die hinzu, die "auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens".

Das 4. Kapitel befasst sich mit dem AT. Es zeichnet die Heilsgeschichte in der Geschichte des Bundes Gottes mit Israel nach.
Ihm wird ein "unvergänglicher Wert zuerkannt.

Das 5. Kapitel befasst sich mit dem NT. Die Betonung liegt ausdrücklich bei den Evangelien, die apostolischen Ursprünge seien (von den Aposteln oder apostolischen Männern). Ihre volle Geschichtlichkeit wird "ohne Bedenken" bejaht. Das NT kann erst im Licht des AT ganz verstanden werden.

Das 6. Kapitel spricht über die Schrift im Leben der Kirche. Die Verehrung des Wortes Gottes wird mit der Verehrung der Eucharistie in Parallele gesetzt. In der Schrift sieht die Kirche "die höchste Richtschnur ihres Glaubens". Statt des evang. besetzten Ausdrucks "norma" wird der Ausdruck "suprema regula" verwendet. Abgeschwächt wird die Bedeutung der Schrift jedoch durch die Formulierung "zusammen mit der Heiligen Überlieferung". An der Schrift müssen sich Verkündigung, Predigt und Katechese orientieren.
Recht summarisch wendet sich ein weiterer Artikel der Frage der Beziehung zwischen Theologie und Schrift zu: "Die Heilige Theologie ruht auf dem geschriebenen Wort Gottes, zusammen mit der Heiligen Überlieferung, wie auf einem bleibenden Fundament". Die Schrift wird auch als "Seele der Theologie" bezeichnet. Eine ausdrückliche Ermahnung an alle zum Studium der Schrift schließt sich an. Die Kirchenleitung obliegt as, gute und kommentierte Bibelausgaben bereitzustellen.

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