Mittwoch, 13. Juli 2011

Aufbau der Dogmatik in der lutherischen Orthodoxie

Die luther. Orthodoxie folgt zunächst der heilsgeschichtl. Ordnung, wie bereits der Locimethode Melanchthons zugrundelag: Schöpfung - Fall - Erlösung - letzte Dinge. Am Anfang stehen Schriftlehre und Gotteslehre. Einzelne, relativ unabhängige Loci werden in ein heilsgeschichtliches Schema eingeordnet.

Die gewöhnl. Ordnung war folgende:

1. Heilige Schrift
2. Trinitätslehre und Zwei-Naturen-Christologie
3. Schöpfung
4. Vorsehung
5. Prädestination
6. Ebenbild Gottes
7. Fall des Menschen
8. Sünde
9. freier Wille
10. Gesetz
11. Evangelium
12. Buße
13. Glaube (Rechtfertigung)
14. gute Werke
15. Sakramente
16. Kirche
17. die drei Stände
18. die letzten Dinge

Seit der Mitte des 17.Jhdts. setzt sich die analytische Methode durch. Nun wird die ganze Glaubenslehre unter dem Leitgedanken einer praktisch-religiösen Zielsetzung entwickelt (Calov, Quenstedt, Hollaz). Der Lutheraner Mentzer und der Reformierte Keckermann führten die analytische Methode in die Dogmatik ein: Sie definierten die Theologie als die praktische Wissenschaft vom Heilsweg. Diesen zerteilten sie in die Lehren vom Heilsziel (ewige Seligkeit), vom Heilsobjekt (der sündige Mensch) und von den Heilsmitteln (Christus, Kirche, Wort und Sakrament). Abraham Calov kritisierte daran, dass die Gotteslehre durch diese Gliederung an die zweite Stelle gerückt würde und verband die Gotteslehre mit dem Heilsziel. Dadurch wird die Dogmatik in viel stärkerem Maße ein einheitliches, von einem zentralen Soteriologischen Gedanken gestaltetes System. So findet sich z.B. bei A.Calov folgendes System:

- Prolegomena
- 1. Vom Ziel der Theologie (de fine theologiae), nämlich von Gott und seiner Nießung (-> Von der Gotteserkenntnis, Gotteslehre, Schöpfungslehre, Von der Nießung Gottes).
- 2. Vom Subjekt der Theologie (de subiecto theologiae), nämlich mittelbar die Engel, unmittelbar der Mensch (-> Lehre von Urstand, Fall, Sünde, Gesetz).
- 3. Von den Ursachen und Mitteln des Heils (de causis et mediis salutis), nämlich die Christologie, Soteriologie, Ekklesiologie, Ordo salutis, Gesetzeslehre, Eschatologie.

Aufbau des letzten großen Lehrsystems der O., des "Examen theologicum-acroamaticum" von Hollaz (1707), Exempel einer luth. Dogmatik der Spätorthodoxie:

Propädia:
- Theologiebegriff
- Glaubensartikel
- Hl. Schrift

Gotteslehre:
- Gott (natürl. Erkenntnis, Attribute)
- Trinität usw.
- Engel
- Mensch und andere Geschöpfe

Fall und Sünde:
- Fall, Ursünde und Tatsünde
- freier Wille
-Herkunft des Heils,
- Gottes guter Wille

Heilsmittel:
- Prädestination
- Christus und die Erlösung
- Berufung, Erleuchtung, Bekehrung, Rechtfertigung.
- Gesetz und Evangelium
- Sakramente
- Buße
- Glaube und Werke
-Kirche, Ämter in Kirche, Staat, Haus (die drei Stände).

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