Dienstag, 19. Juli 2011

Altizer


Altizer wurde 1928 in Virginia, er ist von Hause aus Anglikaner, wirkte als Religionshistoriker und Anglist. Bekannt wurde er 1966 durch seine Schrift "Evangelium des christlichen Atheismus", die kurzzeitig großes Aufsehen erregte und die Gott-ist-tot-Theologie begründete. Weiter hat er allerdings nicht viel geschrieben, vieles erschien nur in Aufsatzform. Daher kann nicht von systematischen oder gar vollständig durchdachten Gedanken geredet werden.

Der Christus wird für Altizer durch zwei Begriffe charakterisiert:
- Kenosis: Im Ereignis des Christus gibt Gott seine Transzendenz, seine Macht und seine Herrlichkeit auf und wird voll und  ganz Mensch. Er verzichtet auf seine Distanz und Verschiedenheit, die ihn bisher charakterisiert haben. Der Gott des Theismus stirbt, um Immanuel, unser Bruder, zu werden. Daher kann  Altizer von "Kenose", "Inkarnation" oder "Tod Gottes" reden,  die alle in etwa dasselbe meinen. Das Heilige geht darin in das  Profane hinüber. Es ist der Gott des AT, der Schöpfer, der  Richter, der Herr, der zu existieren aufhört, indem er sich im  Christus vollkommen historisch macht. Es ist dies ein Akt der  Selbstverneinung. Gott stirbt in Christus.
- Wort Gottes: Gott inkarniert sich in das Wort und gibt damit  sein ursprüngliches Wesen auf. Der "radikale Glaube" von Altizer rechnet mit Gott in der Geschichte und ist somit offen für  neue Manifestationen des Wortes oder des Geistes Gottes. Er  ist ein Bekenntnis der radikalen, nicht-religiösen Christen,  die den Gott kennen, der in Christus (hinein) gestorben ist.

Altizers Konzeption ist ausgerichtet gegen:
- das klassische Christentum, das aus Christus einen Gottmenschen  macht.
- ein priesterliches Christentum, das nicht mit dem gegenwärtigen  Christus rechnet.
- den "Gott im Himmel"
- die Kirchen, die den Herrn im Himmel verkünden.

Antoine Gounelle gebraucht folgendes Bild, um Altizers Position zu verdeutlichen: Gott ist ein Stück Würfelzucker, das von oben (dem Himmel) in eine Tasse voll Kaffee (die Welt) fällt und sich darin auflöst. Der Eintauchpunkt ist die Inkarnation, Kenose oder der "Tod Gottes". Aber Gott hat nicht aufgehört zu existieren, er hat sich lediglich in eine andere Substanz gewandelt. Der Kaffee ist ja jetzt gesüßt, was er vorher nicht war. Gott ist in der Welt und beeinflusst sie. Er hat sie süßer gemacht.

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